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Gründer2018-04-27T15:54:13+00:00

Gründer

Nachdem er seinen Abschluss in Luftfahrttechnik von dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) 1936 erwarb, nahm er die Tätigkeit als Konstrukteur bei der Hamilton Standard Division der United Aircraft Corporation (heute United Technologies Corporation) auf.

1939 wuchsen die Kriegsanstrengungen in der US-Industrie. Hamilton Standard gab Frigidaire, Nash-Kelvinator und Remington Rand die Lizenz für ihre Propellerkonstruktionen. Es handelte sich um Hersteller, die bislang Haushaltsgeräte, Autos und Büroeinrichtungen vor dem Krieg produziert hatten. Die Lizenzen schlossen sowohl das Produktdesign als auch die Prozessspezifikationen mit ein und es traten Probleme mit diesen Lizenzen auf, da sie nicht mit den geltenden Hamilton-Qualitätsstandards konform waren. Shainin wurde zum Koordinator der Lizenznehmer ernannt und war dafür zuständig, sie bei der Lösung von Problemen zu unterstützen. Shainin machte sehr schnell die Erfahrung, dass er die Probleme schneller lösen konnte, wenn er mit den „Teilen spricht“, statt sich mit den Ingenieuren auszutauschen. Während die Ingenieure über die möglichen Ursachen spekulierten und lange Listen darüber anfertigten, waren es eigentlich die Maschinenteile, die die tatsächliche Fehlerquelle offenbarten, vorausgesetzt man spricht ihre Sprache. Diese Erkenntnis prägte Shainin in seinem Ansatz zur Problemlösung bis zum Ende seiner beruflichen Laufbahn.

Zu Kriegsende war Shainin bei Hamilton Standard für den Bereich Qualität und Zuverlässigkeit zuständig, nachdem er landesweit Anerkennung für seine Erfindung des Hamilton Standard Lot Plot erhielt.

Shainins bedeutendster Beitrag war die Entdeckung des Red X-Konzepts der Systemabweichungen. Die vorherrschende Lehrmeinung war, dass Variationsursachen erst dann entdeckt und kontrolliert werden konnten, wenn das System einen statistischen Gleichgewichtszustand erreicht hat. Zu diesem Zeitpunkt glaubte man, dass die verbleibenden Fehler zufällig und unauffindbar seien. Jede weitere Verbesserung erforderte die Umgestaltung des gesamten Systems. Jedoch fand Shainin heraus, dass er anhand seiner Methode – das „Sprechen mit den Teilen“ – das Abweichungsproblem innerhalb eines stabilen Systems finden konnte. Er gelangte zu dem Schluss, dass Jurans Paretoprinzip für die Ursachen der Systemvariation gelten muss. Ganz gleich wie viele Probleme bereits identifiziert und kontrolliert wurden, ist unter den verbleibenden Ursachen ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang stärker als alle anderen. Diesen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bezeichnete er als das Big Red X.

Aufgrund der Art und Weise wie Variationsquellen miteinander interagieren und eine Abweichung im gesamten System hervorrufen, ist es unmöglich eine signifikante Veränderung herbeizuführen, es sei denn, man identifiziert und kontrolliert das Red X. Bis zum Ende seiner beruflichen Laufbahn widmete er seine Aufmerksamkeit dem Red X-Konzept und entwickelte ein diszipliniertes und strukturiertes System, um es zu finden und zu kontrollieren. Zur Unterstützung seiner Methode entwickelte Shainin mehr als 20 technische und statistische Tools, die ihm bei der Identifizierung des Red X halfen. Zur Aufdeckung und Lösung von Abweichungsproblemen hielt Shainin sich an drei Prinzipien:

  1. Es gibt immer ein Red X.
  2. Der schnellste Weg zur Identifizierung des Red X erfolgt durch eine systematische Suche nach Fehlern mithilfe eines Ausschlussverfahrens.
  3. Mithilfe von Tools, die akkurat sind und auf einfachen statistischen Techniken beruhen, sollte man „mit den Teilen sprechen“.

In den 1960er Jahren war Shainin für Grumman Aerospace als Zuverlässigkeitsberater für die Apollo-Mondfähre der NASA tätig. Zur Gewährleistung einer statistischen Sicherheitsmarge entwickelte Shainin einen völlig neuen Ansatz zur Zuverlässigkeitsbestimmung, der bei der empirischen Überprüfung der Bauteile und Systeme des Mondfährenprototyps von Grumm zum Einsatz kam. Shainins Methode zur Zuverlässigkeitsprüfung war ein entscheidender Faktor bei Grumms Antrag für den Bau und die Entwicklung der Mondfähre. Elf störungsfreie bemannte Missionen, davon sechs mit einer Mondlandung sind ein Beweis für die Effektivität seiner Methode. Als während der gescheiterten Apollo-13-Mission ein technischer Defekt das Überleben in der Kommandokapsel unmöglich machte, spielte die Mondlandefähre dabei die Rolle als Rettungsboot, welche die Apollo-13-Astronauten sicher in die Mondumlaufbahn und wieder zurück zur Erde brachte.

Während seiner Tätigkeit als Zuverlässigkeitsberater bei Pratt & Whitney Aircraft arbeitete Shainin an der Entwicklung der Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle, welche neben seiner Funktion als kryogenes Raketentriebwerk RL-10 zur Energieversorgung der Apollo-Lebenserhaltungssysteme diente. Schon bald galt RL-10 als Amerikas zuverlässigstes Raumschifftriebwerk, das in einem Fall 128 Zündungen im All absolvierte, ohne dass es zu einer einzigen Störung kam.

Dorian unterstützte Bob Galvin in seinem Bestreben, Produktqualität und Zuverlässigkeit bei Motorola zu verbessern. Aufgrund von Galvins Erfolgen erhielt das Motorola Unternehmen 1989 seinen ersten Malcolm-Baldridge-Qualitätspreis für Spitzenleistungen. Dieses Verbesserungsprogramm begründete später das Fundament für Six Sigma.